Test: Remnant – From the Ashes

Man kombiniere ein bockschweres Action-Adventure der Marke Dark Souls mit Loot-Shooter-Elementen und einem vollumfänglichen Koop-Modus. Heraus kommt Remnant: From the Ashes, das neueste Werk des unter anderem für Darksiders 3 verantwortlichen Entwicklerstudios Gunfire Games. Pünktlich zur gamescom konnte der Actiontitel nicht nur massenweise positive Steam-Reviews ergattern, sondern gleich auch noch diverse Nutzerrekorde brechen. Wir haben uns den potenziellen Dark-Souls-Klon einmal genauer angeschaut und verraten euch in unserem Test, für wen sich der Kauf tatsächlich lohnt.

Die Saat ist los

Remnant: From the Ashes entführt euch in eine postapokalyptische Welt, die von der sogenannten Saat heimgesucht wird. Diese dämonischen Wesen zerstören Städte sowie ganze Zivilisationen und lassen nichts weiter als leere Einöden zurück. Infolge dieser Ereignisse begibt sich unser namenloser Protagonist auf eine abgelegene Insel, um dem Ursprung des Ausbruchs auf den Grund zu gehen und die Menschheit vor ihrer Auslöschung zu bewahren.
Schon zu Beginn des Spiels hält sich Remnant stark zurück, was die Inszenierung seiner Hintergrundgeschichte anbelangt. Vielmehr wird der Spieler nach einer rudimentären und inhaltlich kaum relevanten Cutscene direkt ins Geschehen geworfen. Im Verlauf der Handlung werdet ihr zwar immer wieder Notizzettel und anderweitige Dokumente finden, die die Hintergründe etwas klarer werden lassen, allzu tiefgreifendes Storytelling dürft ihr allerdings nicht erwarten. Viel zu viele der vermeintlich erklärenden Cutscenes sind simple Dialogsequenzen, die meist auch noch so vage und diffus gehalten sind, dass sie eher zum Überspringen verleiten.

Werfen wir aber Mal einen Blick auf das eigentliche Abenteuer: Bevor wir uns ins Getümmel stürzen, muss jeder Spieler seine Figur in einem behelfsmäßigen Charaktereditor zusammenstellen. Allzu viele Freiheiten habt ihr hier zwar nicht, für ein Spiel von Remnants Größenordnung ist dies aber vollkommen akzeptabel.
Nach einem kurzen Tutorial, das euch die Grundmechaniken des Titels näherbringen soll, müsst ihr euch dann auf eine von drei Charakterklassen festlegen, den sogenannten Archetypen. Zur Auswahl stehen der Fernkampferprobte Jäger, der auf Nahkampf spezialisierte Plünderer sowie die Supporterklasse der Ex-Kultisten. Die Wahl eurer Klasse bestimmt dabei die Art der Waffen, die ihr bei euch tragt, genauso wie eure initialen Statuswerte sowie eure ultimative Fähigkeit. Während ein Jäger Gegner beispielsweise durch Wände sehen kann, erschafft ein Ex-Kultist einen Heilkreis für sich und seine Verbündeten.

Willkommen in Station 13

Remnant: From the Ashes ist im Herzen ein Soulsbourne-Titel, der Loot-Shooter-Mechaniken mit den bekannten bockschweren Action-Passagen kombiniert. Jeder Charakter verfügt dabei schon von Beginn an über zwei spezielle Fernkampfwaffen sowie ein Nahkampfwerkzeug, die sich später natürlich auch austauschen lassen. Remnant setzt ähnlich wie seine Souls-Vorbilder in erster Linie auf ein sehr schwerfälliges und langsames Gunplay, das gleichsam dank der wuchtigen Waffen ein angenehmes Trefferfeedback bietet. Ebenso verhält es sich auch mit eurem Charakter im Allgemeinen. Jede Ausweichrolle benötigt wertvolle Zeit, jeder Schlag verbraucht ein Stück eurer Ausdauer-Ressource – der rechte Einsatz zur richtigen Zeit kann im Kampf über Sieg oder Niederlage entscheiden.
Umso fragwürdiger fallen da einige Designentscheidungen aus, die das Gameplay unnötigerweise noch unhandlicher und sperriger gestalten. Dazu gehört sowohl die Beschränkung, dass ihr eure Schrotflinte nicht aus der Hüfte abgefeuern könnt als auch die Tatsache, dass ihr sämtlichen, von Gegnern fallengelassenen Schrott nur einzeln via Tastendruck einsammeln könnt.

Obwohl sich Remnant in erster Linie als Shooter versteht, ist Munitionsknappheit ein permanenter Begleiter auf euren Reisen. Die Entwickler wollen den Spieler dazu motivieren bedachter mit seinen Waffen umzugehen und für kleinere Gegnergruppen schon Mal in den Nahkampf zu wechseln. In der Realität erweist sich dies als sinnvolles Balancing-Element, das euch nicht nur taktisch herausfordert, sondern auch dafür sorgt, dass Gegner nicht zu lachhaften Bullet-Sponges verkommen.
Um euch gegen die schier unversiegbare Übermacht an Monstern überhaupt erwehren zu können, bietet euch Remnant eine Vielzahl an Möglichkeiten die Fähigkeiten eures Charakters aufzuwerten und zu individualisieren. So findet ihr in Station 13, dem Zufluchtsort und der Basis des menschlichen Widerstandes, den Schmied Rigs, der eure Ausrüstung und Waffen im Tausch gegen Geld und Schrott verbessern kann. Darüber hinaus könnt ihr sogenannte Waffenmods für eure Schießeisen erwerben. Diese bringen überraschend viel Varianz in das verfügbare Waffenrepertoire und erweitern nach Anlegen an eine Waffe beispielsweise deren Funktionsweise. So winken alternative Feuermodi, neue nützliche Fähigkeiten wie Heilwirkungen oder auch spezielle Buffs. Die neuen Waffenfertigkeiten stehen euch allerdings erst nach Aufladen der sogenannten Mod-Energie bereit und können anschließend über das Betätigen der Schultertaste ausgelöst werden. Charakterwerte wie Vitalität, Kondition und Inspiration für die Mod-Aufbaurate sind ebenfalls je nach Klasse vorab festgelegt und können im Verlauf eures Abenteuers individuell gesteigert werden.

Nur die Stärksten überleben

Der Schwierigkeitsgrad von Remnant ist „Souls-typisch“ hart aber fair und lässt schon kleinste Gegner zu einer ernsthaften Bedrohung mutieren. Über rar gesäte Heiltränke könnt ihr eurer rasant sinkenden Lebensleiste eine kleine Erfrischung zukommen lassen, während rote Steine als Schnellreise- und Rastpunkte dienen. Soweit, so bekannt.
Zwar habt ihr nun Zugriff auf das sogenannte Drachenherz, das es euch erlaubt euren Protagonisten dreimal in Folge zu heilen, bevor es wieder aufgefüllt werden muss, die Animation ist allerdings so langsam, dass ihr diese nur selten mitten im Kampf einsetzen könnt. Ein gänzlich neues Feature hingegen sind die prozedural generierten Level, die Gegner sowie ihre Spawnpunkte zufallsbasiert in der Spielwelt platzieren. Nach jedem Bildschirmtod werdet ihr zwar zum letzten Speicherkristall zurückgesetzt, parallel wird die Levelstruktur allerdings komplett neu generiert, was jeden Durchlauf unvorhersehbarer und schwieriger macht. Vorbei sind die Zeiten, in denen ihr die Standorte und Anzahl eurer Gegner auswendig lernen konntet, um bei jedem neuen Versuch einen weiteren Abschnitt zu meistern. Remnant steigert seinen Wiederspielwert damit zwar ungemein, gleichsam schmälert es aber auch die so wichtige Lernkurve und die damit verbundene Frusttoleranz. Selbst Bosskämpfe können in einem gewissen Maße variieren und euch so vor immer neue Herausforderungen stellen. Leider leiden die sehr taktischen Bosse ohnehin schon an einem unausgewogenen Balancing, was den hohen Schwierigkeitsgrad nur weiter künstlich in die Höhe treibt. Meist habt ihr neben dem Endgegner an sich mit einer schier endlosen Zahl an Mobs zu kämpfen, die den Kampf unnötig in die Länge ziehen und keinen wirklichen Mehrwert bieten. In Remnant spielen Loot und Items eine immens wichtige Rolle. Das Actionspiel ist zwar ohne Frage gnadenlos, zeigt sich aber aufgrund seiner Rollenspielelemente überaus motivierend. Während euch die immer wieder anrollenden Gegnerwellen vor immer neue, harte Herausforderungen stellen, ist der im Anschluss auf euch wartende Loot umso belohnender. Da Gegenstände wie Ringe, Amulette oder Rüstungen von vorn herein rar gesät sind, ist der anschließende Fund umso wertvoller.

Bereits im Einzelspieler kann Remnant mit seinem wenig gnadenlosen Gameplay überzeugen, aber erst im Multiplayer entfaltet das beinharte Abenteuer sein wahres Potential. Mit bis zu zwei weiteren Freunden könnt ihr die komplette Geschichte nämlich als starkes Dreiergespann angehen. Die Gegner skalieren entsprechend eurer Spielerzahl mit, dennoch sind die Vielzahl an Kontrahenten in einem gut koordinierten Trio weitaus einfacher zu handhaben. Instanzierter Loot, durchdachte Supportfähigkeiten und individuell generierte Spielewelten machen Remnant zu einer abwechslungsreichen und belohnenden Koop-Erfahrung, die den Zusammenhalt der Gruppe auf motivierendste Art und Weise auf die Probe stellt.

Remnant: From the Ashes verfolgt einen schönen, sehr comichaften Grafikstil, der gerade aufgrund seines Minimalismus fast schon malerisch wirkt. Demgegenüber stehen die häufig emotionslosen Gesichter und die versteinerten Mimiken der Charaktere, die unglücklicherweise viel zu häufig in den Vordergrund gerückt werden.
Die Unreal Engine zaubert im allgemeinen akzentreiche Umgebungen auf den Bildschirm, wenngleich die Framerate insbesondere kurz vor Cutscenes häufig genug massiv in die Knie gezwungen wird. Leider bleibt Remnant so kurz nach Release auch nicht von nervenraubenden Bugs verschont. Schon wenige Minuten nach Spielstart hängte sich urplötzlich eine der Dialogsequenzen auf und erforderte einen kompletten Spiel-Neustart. Von technischer Seite darf hier gerne nochmals mit einigen Patches nachgebessert werden.

Fazit

Remnant: From the Ashes ist ein kompromissloser Loot-Shooter im Souls-Gewand, dem es trotz großer Ambitionen nicht gelingt das beste aus beiden Welten miteinander zu verbinden. Sieht man allerdings einmal über die kleinen technischen Schwächen sowie einige fragwürdige Designentscheidungen hinweg, weiß Remnant nicht zuletzt dank seines Belohnungssystems über längere Strecken zu motivieren. Die neuen prozedural generierten Level sind eine nette, abwechslungsreiche Dreingabe, die aber wohl nicht jedem Genre-Fan schmecken dürften. Wer schon immer einen Soulsbourne-Titel gemeinsam mit Freunden spielen wollte, bekommt mit Remnant: From the Ashes unumstreitbar die Beste Chance dazu.

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