Test: Stray Gods – The Roleplaying Musical

Drama, Katastrophen, verworrene Liebesgeschichten und vor allem eines: jede Menge Gesang. Das alles sind vermutlich Assoziationen, die der Gedanke an klassische Musicals bei den meisten Menschen erweckt. Gerade in Videospielen ist vor allem der Gesang eine echte Besonderheit und wurde bisher nur selten als zentrales Spielelement gebraucht. Hier sahen die Entwickler*innen der australischen Indie-Schmiede Summerfall Studios eine verpasste Chance und erschufen deswegen eine Kombination aus beiden Genres. Das Ergebnis: Stray Gods: The Roleplaying Musical. Wie gut das funktioniert, schauen wir uns jetzt in unserem Test an.

Von Göttern und Musen

Stray Gods: The Roleplaying Musical ist genau das, was der Titel verspricht: Ein Rollenspiel mit Musical-Elementen im Text-Adventure-Stil, das sich thematisch mit einem Drama um einen mysteriösen Mord und die Mythologie der griechischen Götter in der heutigen Zeit befasst. Durch die etwa 10 Stunden lange Story rund um die Songwriterin Grace, begleiten wir das Geschehen und Erleben einen interaktiven Film, auf den durch viele Entscheidungsmöglichkeiten immer wieder Einfluss genommen werden kann. In jedem einzelnen Dialog gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die Story nach eigenem Ermessen zu beeinflussen, wobei es immer einen charismatischen, einen draufgängerischen und einen cleveren Weg gibt, auf das Geschehen zu reagieren. Hinzu kommen vier mögliche Romanzen oder Feindschaften, die sich je nach Verlauf der Dialoge formen können. Es gibt also eine Menge Spielraum für die Gestaltung einer recht individuellen Spielerfahrung, die durch die große Anzahl an Dialogoptionen mit jedem play-through variiert.

Quick-Time und jede Menge Text

Wer viel Wert auf aktive Spielzeit durch freies Bewegen, Erkunden oder Untersuchen von Gegenständen legt, wird von Stray Gods: The Roleplaying Musical vermutlich enttäuscht sein. Das Spiel nimmt einen die meiste Zeit an die Hand und gibt bestimmte Handlungsorte nur ab einem gewissen Storyfortschritt frei. Auch gibt es vor Beginn der zahlreichen Dialoge nicht viele Optionen, sich an den einzelnen Orten selbstständig umzusehen. Hier und da können wir zwar wählen, welchen Dialog wir aus einer Auswahl an Möglichkeiten zuerst hören möchten, viel Freiheit bietet sich jedoch nur in den Gesprächen und Songs selbst, wie in den meisten Text-Adventures. Hinzu kommen zahlreiche Quick-Time-Events, die immer wieder zu schnellen Antworten zwingen. Ein recht simples Spielprinzip ohne große Überraschungen.

Wer schneidet hier Zwiebeln?

Wer auf Disney-Filme und Emotionen steht, wird Stray Gods lieben. Gerade die für Musicals typischen Songs sind eindrucksvoll inszeniert und vermitteln die Story besonders künstlerisch. Hervorzuheben ist hier vor allem, dass sie sich harmonisch in das Spielgeschehen einfügen und nie störend oder unpassend platziert wirken. Gepaart mit einem starken Cast aus bekannten Synchronsprecheri*nnen, wie etwa Troy Baker (unteranderem bekannt als Joel Miller aus The Last of Us oder auch Booker de Witt aus Bioshock Infinite) oder Laura Bailey (Abby Anderson aus The Last of Us Part II), schafft es der Titel so, Emotionen aufzubauen und den Charakteren auch mit der nur vergleichsweise geringen Spielzeit ausreichend Tiefe zu vermitteln. Insgesamt sorgen die Bilder in schicker Comic-Grafik und die stimmige musikalische Untermalung oftmals für große Augen und vielleicht sogar für das ein oder andere Freudentränchen.

Fazit

Was Stray Gods: The Roleplaying Musical nicht ist: Ein Videospiel mit innovativem Spieldesign oder kreativen Spielelementen. Stattdessen glänzt der Titel mit einer packenden Story, tollen Bildern, hochwertiger Musik und einer interessanten Umsetzung der griechischen Götter-Mythologie. Wer also gerne Einfluss auf eine schöne Geschichte nehmen, sein eigenes kleines Musical erschaffen möchte und cool damit ist, ein eher passives Spielerlebnis als Text-Adventure zu erfahren, macht hier nichts falsch und wird eine gute Zeit haben.

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