Test: Blair Witch

Im Jahre 1999 füllte der Film „Blair Witch Project“ ganze Kinosäle und beeindruckte als Found Footage Movie vor allem durch seine besondere Machart. Ganze 20 Jahre später sicherte sich nun das Entwicklerstudio Bloober Team die Lizenz und widmet dem Horrorstreifen mit „Blair Witch“ nun auch ein ebenso gruseliges Videospiel. Ob sich der Abstecher in den Black Hills Forest lohnt und dem Spieler auch dieses Mal ein wahres Gänsehaut-Feeling beschert wird?

Auf der Suche nach einem kleinen Jungen

Natürlich steht dem Spieler in „Blair Witch“ eine unheimliche Expedition in den Black Hills Forest, in dem ein kleiner Junge wie vom Erdboden verschwunden ist. Dabei schlüpft der Spieler in die Rolle des ehemaligen Polizisten Ellis, der sich einem Suchtrupp anschließt und zudem eine tierische Unterstützung durch seinen treuen Schäferhund Bullet bekommt. Doch mit jedem weiteren Schritt in den tiefen Wald scheint sich die Spur des Jungen zu verlieren und auch der Kontakt zum Suchtrupp bricht bald ab. So langsam wird Ellis klar, dass dieser Wald von ganz besonders unheimlichen Mächten heimgesucht wird und kann schon bald Realität und Wahn nicht mehr unterscheiden.

Blair Witch

Wenn der Wald zum Leben erwacht

Erweist sich der weitläufige Wald tagsüber als beschauliches Fleckchen Natur, legt sich doch spätestens bei Nacht ein düsterer Schleier über die Szenerie. So vermittelt nicht nur das Knacken der Äste sowie ein plötzliches Rascheln das stete Gefühl der Bedrohung – auch zeigt sich schnell, dass es nicht besonders leicht ist, in diesem geisterhaften Wald die Orientierung zu behalten. Dachte man eben noch, man schlägt einen neuen Weg ein, merkt man im nächsten Moment, dass man sich die ganze Zeit im Kreis bewegt hat. Zum Glück darf der Spieler hier immer wieder das Licht einer Taschenlampe sowie Kamera nutzen, die beide gerade genug Licht spenden, um bei Dunkelheit eine neue Spur aufzunehmen. Kein Wunder, dass der ohnehin mental angeschlagene Protagonist regelmäßig in Panik verfällt, zu halluzinieren beginnt und flüsternde Stimmen hört. Überhaupt zeigt sich im Spielverlauf immer mehr, dass Ellis sich durch seine Labilität seine ganz eigene Hölle schafft und die Realität ihm zunehmend entgleitet. Doch nicht nur die Hexe sollte in „Blair Witch“ gefürchtet werden – auch andere geisterhafte Gestalten erwachen in dem Wald nachts zum Leben und schleichen durch das Dickicht. An dieser Stelle ist der Spieler gut darin beraten, von Konfrontation abzusehen und seine Gegner stattdessen schleichend zu umgehen. Während das anfangs noch ganz gut gelingt, muss man in späteren Schleichpassagen förmlich die Nerven behalten und darf vor allem in Gängen keinen falschen Schritt tun.

Blair Witch

Nicht ohne Bullet

Zwischendurch erwarten den Spieler zudem immer wieder kleine Rätseleinlagen, die die mystische Story stetig vorantreiben und dem Spieler immer neue Spuren zu dem Jungen bieten. So gilt es beispielsweise, defekte Generatoren wieder anzuschmeißen oder seltsame Videobänder zu sichten. Da der Spieler zudem in bestimmten Situationen wichtige Entscheidungen treffen muss, kann der Spielverlauf samt dazugehörigem Ende entsprechend variieren. Eine ganz besonders elementare Rolle wird natürlich auch dem mutigen Schäferhund Bullet zuteil, der Ellis gleich in mehrfacher Hinsicht unterstützt. So besitzt Bullet nicht nur eine besondere feines Gespür, sondern wittert bereits früh drohende Gefahren. An dieser Stelle ist eine zugewandte und liebevolle Interaktion mit dem freundlichen Vierbeiner entscheidend, denn die Bindung zu Bullet wird vor allem dann intensiviert, wenn Ellis seinen vierbeinigen Freund lobt und streichelt. Mit Tadel oder Ignoranz sollte man hingegen sparsam umgehen, denn im schlimmsten Fall verweigert der Hund an späterer Stelle seine Hilfe. Auch sollte der Spieler Bullet stets im Blickfeld behalten, um auch in mentaler Hinsicht gestärkt zu bleiben. Wird die Verbindung zu Bullet zu lange unterbrochen, verfällt Ellis in Panik und seine Sicht verschwimmt.

Stimmungsvolle Lichtspiele treffen auf eine atmosphärische Klangkulisse

Optisch kann sich „Blair Witch“ zweifelsohne sehen lassen und setzt auf düstere Farben sowie ein gekonntes Spiel aus Licht und Schatten. Für die wirklich bedrückende Atmosphäre sorgt jedoch vor allem die Klang- und Geräuschkulisse, die so manche Gefahren hinter dem nächsten Busch bereits erahnen lässt.

Fazit

Mit „Blair Witch“ ist dem Entwicklerstudio Bloober Team ein solider Horror-Titel gelungen, der zwar storytechnisch gute Ansätze bietet, sein Potenzial allerdings nicht vollends ausschöpfen kann. Wenn auch der atmosphärische Sound sowie der Einsatz düsterer Farben das Gefühl der Orientierungslosigkeit vollends transportiert, mangelt es dem Spiel an fesselnden Gameplay-Mechaniken. Zwar passen die Interaktion mit dem tierischen Begleiter sowie die Nutzung von Taschenlampe und Cam perfekt zum Setting – allerdings lassen die doch sehr generischen Rätsel schnell Langeweile aufkommen. Und wenn auch vor allem die ersten Spielminuten noch ein wahres Gänsehaut-Feeling garantieren, ist man spätestens dann ernüchtert, wenn man merkt, dass die namensgebende Blair Hexe in „Blair Witch“ keinen wirklich großen Auftritt hat. Fans von atmosphärischen Horror-Spielen dürfen sich zwar selbst ein Bild von dem Black Hills Wald machen – allerdings sollte man nicht auf die ganz großen Gruseleinlagen hoffen.

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